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Was versteht man unter dem darmassoziierten Immunsystem?

Von großer Bedeutung für unsere Abwehrkräfte ist ausgerechnet ein oft unterschätztes Organ: der Darm. Hier wird der Großteil aller Immunzellen produziert. Außerdem ist ein gesunder, funktionsfähiger Darm neben der Immunabwehr für folgende Bereiche essentiell:

  • Resorption von Nährstoffen
  • Produktion von Neurotransmittern
  • Ausscheidung von Giftstoffen

Der Zustand der Darmschleimhaut, der Darm-pH-Wert und eine gesunde Darmflora spielen an diesem Punkt eine wichtige Rolle.

Schutz vor Krankheitserregern

Zwischen dem Darminhalt und dem Blutkreislauf befinden sich mehrere physiologische Barrieren. Eine erste Barriere bildet die schützende Schleimschicht, die gegen das Eindringen schädlicher Fremdstoffe dient. Die oberste Schicht der Darmschleimhaut besteht aus einem kompakten Zellverband, der von sogenannten Tight Junctions (Schlussleisten) abgedämmt wird. Dadurch wird verhindert, dass schädliche Antigene, Toxine und Mikroorganismen in die Zellzwischenräume und den Blutkreislauf eindringen und Entzündungsreaktionen bzw. (Auto)Immunreaktionen auslösen.

Eine weitere Schutzbarriere bilden die gesunden Darmbakterien. Sie beeinflussen das Mikroklima (Sauerstoffgehalt, pH-Wert) im Darm und verhindern die Ansiedelung pathogener Erreger. Sollten Erreger sowie Antigene dennoch einmal durchdringen, stoßen sie auf das darmassoziierte Immunsystem.

Das Darm-Immunsystem

Das darmassoziierte lymphatische Gewebe (GALT) ist das umfassendste Immunorgan unseres Körpers, da es bis zu 70% aller Antikörper produziert. Es schützt die Darmschleimhaut vor dem Eindringen krankheitserregender Substanzen und Mikroorganismen. Außerdem ist das GALT für die sogenannte orale immunologische Toleranz verantwortlich. Es verhindert eine Überreaktion gegen harmlose körperfremde Substanzen, die durch die Nahrungsaufnahme täglich mit der Darmwand in Berührung kommen.

Die im Darmlumen (Freiraum innerhalb der Darmschlingen) vorhandenen Bakterien (Mikrobiom) spielen bei der Immunabwehr eine entscheidende Rolle. Ein intaktes Mikrobiom schult die in der Darmschleimhaut sitzenden Immunzellen, ermöglicht die Unterscheidung zwischen Nähr- und Schadstoffen und verhindert überschießende (Auto)Immunreaktionen. Eine Störung der Immunantwort des GALT liegt z.B. bei Zöliakie vor – hier besteht eine Überempfindlichkeit gegen Gliadin aus Weizen und anderem Getreide, die zu starken Entzündungsreaktionen in der Dünndarmschleimhaut führt.

Alle im Darm erlernten Informationen werden über das Blut- und Lymphsystem auch an andere Abwehrzentren im Körper weitergegeben. Ein gesunder Darm bedeutet somit zugleich auch ein starkes Immunsystem.